SONJA CVITKOVIC
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Körper im Kopf

Sonja Cvitkovic arbeitet seit sechs Jahren mit dem Naturmaterial Gips, das sie teilweise als Masse einfärbt. Flüssig kommt es durch die feinsten Ritzen, bildet die kleinsten Falten ab (z.B. von Plastiktüten, in die es gegossen wird). Beim Härten wird es warm, dann kühlt es wie- der ab. Die Arbeit “Körper im Kopf” ist eine der ersten, die Cvitkovic in dem Material gearbeitet hat. Die kopfgroße Bowlingkugel sitzt in einer Gipstüte. Der zähe Brei hat den Schwung, das Rollen zum Stillstand gebracht. Die Kugel hat ein Loch, in das ein Finger gesteckt werden kann. Die Öffnung verbindet es leicht mit körperlichen Metaphern. Der menschliche Körper hat Öffnungen, durch die die Welt eintritt (als Nahrung, Reiz, Information) und durch die wir auch wieder austreten: als Laut, Luft, Flüssigkeit. In dem Zusammenhang kann man an Mikhail Bachtins Studie über den Renaissance-Schriftsteller François Rabelais denken, in dem ausführlich beschrieben wird, wie der Körper im humoristischen Roman vor allem über seinen Körperöffnungen beschrieben wird und daß darin etwas Subversives liegt. Denn ein Staatswesen oder eine Ideologie beschreibt mit Vorliebe den Geist oder die Seele oder einen glatten oder bekleideten Körper, aus dem nicht die Flüssigkeiten austreten. Der sterbliche, konsumierende und sich reproduzierende Körper ist nicht ganz in den Griff zu bekommen.

Text: Michaela Meise

Sonja Cvitkovic ist Künstlerin, Musikerin und Gründerin von Black Palm

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